Nein zum "BioWärmezentrum"!

   Prof. Dr. Christian Jooß    Futuristisch, aber problematisch: Das neue "BioWärmezentrum" in Göttingen

                                                                                                                  Fotos: Universität Göttingen; Stadtwerke

Sparen statt Verbrennen!

Die Klimaschutz-Ziele der Stadt Göttingen soll es erreichen helfen. Das sagen die Stadtwerke Göttingen als Betreiber des neuen "BioWärmezentrums", das derzeit als Heizkraftwerk an der Ecke Hildebrandstraße/Maschmühlenweg entsteht.

"Das "BioWärmezentrum" ist kein Beitrag zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung, sondern ein umwelt- und gesundheitsschädliches Greenwashing-Projekt", erklärt dagegen Prof. Dr. Christian Jooß von der Umweltgewerkschaft Göttingen. Tatsächlich soll das BWZ über Alt- und Neuholzverbrennung klimafreundlich die Göttinger Innenstadt mit Heizenergie und zusätzlich mit Strom versorgen - wenn denn während des zweijährigen Probelaufs alles klappt.

Potenzielle Giftschleuder

Das Problem: "Durch die massive Verbrennung von Altholz und Restbeständen aus der holzverarbeitenden Industrie gelangen mit den Abgasen unvermeidbar gesundheitsschädliche Stoffe und hochgefährliche Feinstaub-Partikel in die Atemluft", warnt Prof. Rolf Bertram, emeretierter Professor für physikalische Chemie der Technischen Universität Braunschweig.

"Ultra-Feinstäube können nicht gefiltert werden, dringen über die Lunge in Menschen ein und tragen zu Krankheiten wie Allergien, Bluthochdruck, Krebs und Nervenkrankheiten bei", bestätigt Prof. Jooß, hauptamtlich am Institut für Materialphysik der Universität Göttingen und Experte für Nanopartikel.

In der Abkühl-Phase entstehen im Rauchgas, so Jooß weiter, "giftige organische Substanzen und auch Ultragifte wie das Seveso-Gift Dioxin. Dieses ist auf den Oberflächen der Feinstaub-Partikel ebenso vorhanden wie in der Holzasche".

Und in der Abluft-Fahne des neuen Heizkraftwerks liegen Schulen, Kindergärten, Sportanlagen und große Kliniken.

Alternative: Energiesparen!

Das "Bündnis gegen BioWärmezentrum", dem auch die NaturFreunde Göttingen angehören, fordert zur Erreichung der Göttinger Klimaschutz-Ziele statt dessen Energie-Einsparung bis zu 90 Prozent durch moderne Passivhäuser, bessere Wärmedämmung und Wärme-Rückgewinnung bei Altbauten, den Ausbau der Solarthermie für Warmwasser und Raumwärme, dazu elektrische Energie aus Wind und Sonne, kombiniert mit Wärmepumpen und Wärmespeicher, sowie Biogas aus regionalen Kompost- und Kläranlagen.